Montag, 5. Oktober 2020

Famous Last Words III

Im dritten Teil meiner kleinen Serie wende ich mich nun an die Chefs von Bildungseinrichtungen. Dass ich mit diesen stets gute Erfahrungen gemacht habe, wäre eine übertriebene Behauptung.

  

Liebe Schulleiter (Schulleiterinnen an Gymnasien vernachlässige ich aus statistischen Gründen),

wenn ich Sie vorab um eines bitten dürfte: Jammern Sie nicht! Niemand hat Sie gezwungen, sich um eine solche Stelle zu bewerben. Sie werden Ihre Gründe gehabt haben. Sich dann hinzustellen und sich als Opfer der Verhältnisse zu inszenieren ist wenig überzeugend. Sie haben als Leiter einer Behörde ein weitgehendes Weisungsrecht. Wenn es in Ihrem Laden schlecht läuft, sollten Sie die Verantwortlichen nicht außerhalb des Chefbüros suchen.

Bedenken Sie vor allem eins: Sie haben auch keine andere Ausbildung als die meisten Mitglieder Ihres Kollegiums und arbeiten zudem nun in einem fachfremden, ungelernten Beruf als Verwaltungsbeamter. Und das merkt man. Jede Neigung zu Arroganz ist also völlig gegenstandslos.

Klar steht Ihnen das Direktionsrecht zu. Einer muss es ja machen. Üben Sie es ohne den Hauch von Überheblichkeit aus, aber entscheiden Sie – wenn möglich schnell, begründet, nachvollziehbar und transparent.

Einen guten Chef erkennt man daran, dass er den Informationsfluss in beiden Richtungen aufrechterhält. Ebenso wie Sie von den Kollegen erwarten, dass die umgehend offen für Ihre Botschaften sind, lassen Sie Lehrkräfte, die dringend etwas von Ihnen benötigen, nicht tagelang auf einen Termin warten. Und dann stehen Sie zu Ihren Zusagen! Nichts ist frustrierender für Ihre Kollegen als der Eindruck, dass man mit dem Direktor gesprochen hat „und dann doch nichts passiert“.  

Diskutieren Sie ergebnisoffen und fair, statt Ihr Heil in Hinterzimmer-Entscheidungen zu suchen, welche dann der Lehrerkonferenz mehr oder weniger geschickt aufgedrückt werden.

Überlegen Sie genau, welche Aufgaben Sie wem übertragen! Aber dann müssen Sie dem Betreffenden auch Vertrauen schenken und sich nicht beim kleinsten Problem wieder einmischen und das Ruder herumreißen. Lassen Sie Ihre Leute machen! Sonst kriegen Sie ein Kollegium von Befehlsempfängern und Frustrierten, welche ihre Aufgaben im Zustand innerer Emigration erfüllen. 

Und vor allem: Unterrichten Sie mindestens noch eine Klasse selber! Diese Fähigkeit geht schneller verloren, als Sie denken – und dann beginnt man, Probleme vom grünen Tisch aus zu unterschätzen oder völlig falsch einzustufen. Beginnende Abgehobenheit können Sie daran erkennen, dass die Lehrkräfte Sie mit ihren eigentlichen Problemen gar nicht mehr behelligen, sondern Personen fragen, die noch etwas von der Praxis verstehen.

Sie sind nicht der über allem schwebende Moderator, sondern der Vertreter Ihrer Lehrkräfte. Ihnen vorgesetzt zu sein, bedeutet ebenso, hinter ihnen zu stehen. Ihre Kollegen werden es Ihnen danken! 

P.S. Zu diesem Thema habe ich schon einmal einen Artikel geschrieben:

https://gerhards-lehrer-retter.blogspot.com/2015/10/der-fisch-stinkt-vom-kopfe-her.html

 

Wenn Sie weiterlesen möchten: Mein neuestes Buch „Das fliegende Glossenzimmer“ können Sie auch direkt bei mir bestellen:

http://www.robinson-riedl.de/buecher.htm

 


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