Freitag, 1. Juni 2018

Warum ich sicher nicht mehr Lehrer würde


Wieso ich diesen Beruf überhaupt ergriffen habe? Ich arbeite gerne „vor Publikum“: Vor Menschen aufzutreten, ihnen etwas „vorzuführen“ (egal, ob Chemie-Experimente oder Zauberkunststücke) hat mich schon immer fasziniert. Die Sprache ist für mich ein tolles Medium: die Aufmerksamkeit von Zuhörern zu gewinnen, Zusammenhänge zu erklären, die Gedanken anderer in bestimmte Bahnen zu lenken – ja, auch Leute in meinem Sinn zu beeinflussen. Daher auch meine Freude am Kabarett: Als ich mit zirka 12 Jahren im Fernsehen die ersten Soli von Dieter Hildebrandt in der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ erlebte, hat mich das fürs Leben geprägt.

In heutigen Zeiten hätte ich es vielleicht gewagt, es als Kabarettist oder professioneller Zauberkünstler zu probieren – oder etwas dazwischen, was es selbst derzeit kaum gibt. In den 1960-er Jahren und bei meinem kleinbürgerlichen Elternhaus war das aber Lichtjahre entfernt! Nach dem Willen meines Vaters hätte ich Friseur oder Bahnbeamter werden sollen. Schon das Gymnasium schien für seine Vorstellungen übertrieben – und trotz guten Abiturs sollte ich mich bestenfalls als Volksschullehrer (der er selber gern geworden wäre) betätigen.

Immerhin wagte ich doch das Studium der Biologie und Chemie für das Lehramt an Gymnasien – dank staatlicher Studienförderung inklusive diverser leistungsbedingter Stipendien, die ich vor allem in den Semesterferien mit privaten Nachhilfestunden aufbesserte. Meine Eltern wollten das nicht finanzieren – und selbst bei bestem Willen wäre es ihnen sicherlich schwergefallen.

Daher amüsiere ich mich stets, wenn ich (aufgrund etwas dubioser Studien) höre, wie sehr doch bei uns der Schulerfolg vom sozialen Status der Eltern abhinge. Ich kann nur sagen: Mein Studium verdanke ich der Bundesrepublik Deutschland und der Stiftung Volkswagenwerk – und meinem selber Hinzuverdienten. Freilich: Urlaub, ein Auslandssemester in Neuseeland oder die mir angebotene Promotion waren nicht drin. Gerade in Bayern und meinen Studienfächern rückte der „Einstellungsschnitt“ in immer größere Höhen, da hieß es möglichst schnell fertig werden – und wenn möglich mit Bestnoten.

Die Fächerwahl war von vornherein klar: Chemie war seit dem 14. Lebensjahr meine Leidenschaft – altersbedingt stark von Pyromanie geprägt. Was ich in der Pubertät zusammen mit einem Schulfreund in Rauch und Asche aufgehen ließ, würde heute sicherlich die Experten vom Landeskriminalamt anlocken. Doch zunehmend stellten wir „ernstere“ Experimente an, fanden auch Spaß am Theoretischen. Biologie dagegen war das notwendige Anhängsel hinsichtlich der erlaubten Fächerkombinationen: „Betonier den Garten doch und streich ihn grün an“ war der ökologische Vorschlag an meinen Vater, als ich wieder mal den Rasenrand nicht perfekt mit der Schere hinbekam. Im Studium jedoch verschoben sich die Interessen: Die Zulassungsarbeit verfasste ich in Botanik.

Mein Berufswunsch war stark vom Lehrerbild der damaligen Zeit geprägt: Gerade am Gymnasium erlebte ich in der Mehrzahl autoritäre Hansel mit eher mäßiger Befähigung zum Lehramt. Disziplin im Sinne von Kadavergehorsam und Tatsachen-Nachbeten bestimmten den Unterricht. Selbstständigkeit, eigenes Denken und Urteilen waren nicht direkt angesagt. Der Direktor war eine gottähnliche Figur – Zweifel hieran fast undenkbar. Was innerhalb des Kollegiums vor sich ging, konnte man als Schüler natürlich nur ahnen – aber nach außen hin hielt die Bande zusammen wie Pech und Schwefel. Selbst heftige Entgleisungen wie körperliche Züchtigungen wurden irgendwie vertuscht. Und bei den Eltern fand man mit Klagen wenig Rückhalt: „Strenge hat noch keinem geschadet“ und „dein Lehrer wird schon wissen, warum“ waren gängige Redensarten – und Benotungen göttliche Urteile.

Lehrkräfte, die aus dieser Phalanx ausscherten, hatten es nicht leicht, weder mit uns noch Kollegen sowie Chef. Einer der wenigen, der unsere Herzen gewann, war Chemie- und Biologielehrer (damals noch inklusive Geografie) – und wegen seiner Art, uns Schüler wie denkende und fühlende Menschen zu behandeln, des Direktors liebster Feind. Damals bereits sensationell: Man durfte ihn mit Familiennamen anreden anstatt mit „Herr Professor“! Mein Entschluss stand schon in der Oberstufe fest: Ich wollte und konnte es besser machen – verständlicher erklären, Zusammenhänge aufzeigen anstatt bloße Faktenhuberei zu zelebrieren, vielleicht sogar Begeisterung für meine Fächer wecken. Und vor allem: zumindest höflich, nach Möglichkeit freundlich zu bleiben, Schüler nicht als Menschen zweiter Klasse zu behandeln.

Ich weiß noch, wie ich meinem Lieblingslehrer kurz vor dem Abitur klopfenden Herzens gestand, beruflich in seine Fußstapfen treten zu wollen. Seine Antwort kam zögernd und in besorgtem Tonfall: „Mei‘, Riedl, hast dir des gut überlegt? Es gibt so schöne Berufe…“ Heute weiß ich: Er hatte Recht mit seiner Skepsis.

Als ich 1977 mit dem Referendariat begann, hatte sich in der Schule vieles verändert: Insbesondere war die nach dem G 8 zweitgrößte Idiotie im bayerischen Bildungswesen verwirklicht: die Kollegstufe. In den Köpfen klasssenzimmerferner Theoretiker hatte sich das Wunschbild einer Art von „Schmalspur-Uni“ mit damals noch eher freier Kurswahl etabliert. Die Arroganz, mit denen die nunmehrigen „Damen und Herren Kollegiaten“ gerade uns Referendaren gegenübertraten, erinnerte mich stark an die Umgangsformen meiner einstigen Lehrer.

Beispielsweise ist es mir noch sehr gut erinnerlich, welches Geschiss man ab diesem Zeitpunkt mit der „Anwesenheitspflicht“ veranstaltete. Es war der Beginn des taktikgeprägten stundenweisen Erkrankens: vormittags im Leistungskurs Mathematik noch gesund, nachmittags im Grundkurs Religionslehre dann arbeitsunfähig. Statt im Zweifelsfall wie in der Arbeitswelt ärztliche Krankschreibungen zu verlangen, wurde anfangs sogar nur eine mündliche Entschuldigung erwartet. Und natürlich gab es Oberstufler, welche daraus ein Machtspielchen machten und sich dann eben – auch auf Nachfrage – nicht entschuldigten. Dennoch durfte man sie natürlich über die letzte Stunde nicht prüfen – sie waren ja nicht da.

Was einem Arbeitnehmer eine Abmahnung eingebracht hätte, blieb an der Schule folgenlos: „Fragen Sie mich was Leichteres“ war die Antwort des Seminarvorstands auf Fragen von uns Referendaren zu diesem Thema. Vielleicht hätte man ihn auch nicht mit A 16 besolden sollen, wenn dieses Problem seine Fähigkeiten überstieg… Schulleiter, so meine frühe biologische Erkenntnis, gehören zu den Wirbellosen Rückgrat haben die meisten keines.

Klar sah und sieht die Schulordnung für solche Fälle diverse Konsequenzen vor: Man könnte einen Schüler zum Amtsarzt schicken oder ihn zu einer „Ersatzprüfung“ bestellen, wenn er mündliche Leistungserhebungen durch fallweises „Erkranken“ auszuhebeln versucht. Richtig: Könnte" der übliche pädagogische Konjunktiv. Ich habe Letzteres einige Male probiert, ohne damit die Sympathie meiner Dienstvorgesetzten zu erringen: In einem Fall erklärte mein Chef diese Maßnahme sogar für ungültig, worauf ich mich weigerte, eine Zeugnisnote festzusetzen. In schönster „Solidarität“ besorgte dies dann die Klassenkonferenz über meinen Kopf hinweg. Meine Beschwerde wurde natürlich abgebügelt – und als Dank erhielt ich eine schlechtere dienstliche Beurteilung.

Die Schulordnung sieht für mangelndes Engagement von Schülern auch „Nacharbeiten“ (früher „Nachsitzen“) vor. Aber auch da kann man ja nachmittäglich spontan erkranken. Eine Mutter hielt in einem solchen Fall zunächst nicht mal eine mündliche Entschuldigung für angebracht. Als ich daraufhin ein ärztliches Attest verlangte, schrieb sie einen Beschwerdebrief, aus dem mir ein Satz (nicht nur wegen der Grammatik) unvergesslich blieb: „Damit zweifeln Sie an meine Integrität, was ich Ihnen keinesfalls erlaube.“ Ob sie mit diesem Spruch auch bei einem Fahrkartenkontrolleur in der Bahn aufwartete? Aber: Schulleitern kann man mit solchem Schmarrn durchaus imponieren, was mir daher ein ernstes Gespräch im Chefbüro einbrachte.

Was uns Referendaren zur Schulordnung und den gesetzlichen Bestimmungen eingebläut wurde, ist übertrieben: Man stehe als Lehrer „stets mit einem Fuß im Gefängnis“, wenn man Formaljuristisches nicht beachte. Exaktheit ist natürlich dennoch erwünscht. Für Eltern hingegen gilt: Was „ungerecht“ ist, bestimmen sie. Und die Chefs kann man mit Blödsinn solcher Art schwerstens beeindrucken. Wenn also die Erzeuger (oder Betreuer) unserer Kundschaft Rabatz machen, sollte man als Lehrkraft lieber nicht auf Recht und Gesetz bestehen. In solchen Fällen wird nämlich gern die übergeordnete Karte der „Gefährdung des Schulfriedens“ gezogen.

Soll heißen: Wenn irgendwelche Eltern eine Presse- und Leserbriefkampagne (oder heute einen Shitstorm) inszenieren, könnte es für den Schulleiter eng werden. Von Lehrern hingegen hat er Ähnliches nicht zu befürchten – da steht die dienstliche Schweigepflicht entgegen. Und selbst, wenn nicht: Wen interessieren schon die Probleme von „faulen Säcken“?

Eindrucksvoll war meine Erfahrung, als sich an einer neuen Schule die Beschwerden über mich häuften. Ein ziemlich schwacher Chef war wohl zum Lieblings-Ansprechpartner einer größeren Querulantenschar geworden. Als ich dann wegen meiner dienstlichen Beurteilung vor das Verwaltungsgericht zog, hörte die Kampagne schlagartig auf. Das bewies mir, was ich schon lange vermutete. Solchen Eltern geht es nicht um „Gerechtigkeit“ oder gar eine „humane Schule“, im Gegenteil: Das sind reine Machtproben, um herauszufinden, wie weit man die Institution von außen steuern kann.

Auch den konkreten Anlass, mich mit 60 Jahren frühpensionieren zu lassen, habe ich schon einmal veröffentlicht:
https://gerhards-lehrer-retter.blogspot.com/2015/10/unversandter-brief-einen-ungehaltenen.html 

Ich habe in meinem Beruf schon bald die Erfahrung gemacht: Wir Lehrer haben den Rücken frei, denn hinter uns steht niemand mehr. Und die Kollegen? Da es vielen, wenn nicht an fachlicher Kompetenz, so doch mit Sicherheit an Zivilcourage gebricht, sind konsequente Aktionen oder gar Solidarität innerhalb des Lehrerzimmers Mangelware. Achselnässe wird gerne als „Realismus“ oder Verständnis" schön geredet. „Sei halt nicht so“, bekommt man dann zu hören. Bin ich aber.

Wenn ich heute daran denke, dass ich vor sieben Jahren noch selber hinter dem Pult stand, kann ich es kaum glauben – so weit weg ist das alles. Und ich habe nach dem letzten Dienst-Tag keinen Fuß mehr in meine Schule gesetzt. Das wird so bleiben (außer, man lädt mich nun wegen dieses Artikels vor).

Verbittert bin ich nicht: Die Arbeit im Klassenzimmer war stets interessant, oft spannend und manchmal sogar lustig. Daher bedanke ich mich ausdrücklich bei meinen Schülern, die mir viel gegeben haben (selbst diejenigen, welche man heute euphemistisch als „verhaltensoriginell“ bezeichnen würde). Böse kann ich keinem sein. Wenn das System mir derartige Möglichkeiten eröffnen würde, hätte ich sie vielleicht auch genutzt.

Jungen Kollegen oder gar Studierenden für das Lehramt gebe ich, wie mein alter Chemielehrer, den Rat, es sich mit der Berufswahl gut zu überlegen. Sie müssen sich darauf gefasst machen, innerhalb eines ziemlich perversen Systems als Einzelkämpfer zu agieren oder sich jeglicher Zivilcourage zu enthalten. Und sie sollten die Zeiten außerhalb des Klassenzimmers möglichst knapp bemessen!

Selber werde ich im nächsten Leben vielleicht doch Jurist – und dann bediene ich gerne die Klientel, welche mir im anderen Beruf so zu schaffen machte. Für einen Anwalt gehört es zur Normalität, puren Quatsch zu vertreten. Und er kriegt es sogar noch bezahlt.

P.S. In Memoriam:
Der strengste Lehrer, den ich je hatte, unterrichtete uns ein Jahr in Englisch. Er trat mit einer Verve und Autorität auf, welche heute sofort vor irgendwelchen Menschenrechts-Gerichtshöfen zur Anklage gebracht würde. In seinem Unterricht hätte man eine Stecknadel fallen hören können, wenn dies erlaubt gewesen wäre. Er war ein hochgebildeter Mann, zeigte fallweise sogar einen niveauvollen Humor, und seine gelegentlichen historischen und philosophischen Exkurse beeindrucken mich noch heute. Ich verdanke ihm fast meine gesamten Englischkenntnisse.
Später hörten wir gerüchteweise, was angeblich zu seiner Strenge geführt hatte: Sein bester Studienfreund, der wie er Englisch- und Geschichtslehrer werden wollte, kam im Schulalltag mit seinen Klassen nicht zurecht, man tanzte ihm auf der Nase herum. Eines Tages entzog er sich diesem Dilemma durch Suizid.

Pedagogic Fiction

Dienstag, 22. Mai 2018

„Ich muss noch korrigieren“


Bestimme im folgenden Text die Kasi!"
(Original-Frage aus einem Deutsch-Extemporale) 

Geradezu reflexhaft hört man diesen Satz von Kollegen, wenn man sie nach Optionen der Freizeitgestaltung fragt. Nein, unmöglich, auf dem Schreibtisch türmten sich Schülerhefte oder gar Klassenarbeiten, die man „eigentlich“ (pädagogisches Lieblingswort) schon längst hätte zurückgeben müssen!

Paralleluniversum (www.tangofish.de)
Nun ist diese Belastung natürlich auch fachspezifisch: Ein Sportlehrer oder Kunsterzieher wird darüber weniger klagen als jemand, der Sprachen unterrichtet. Dennoch stellt dieses Lamento geradezu die „Nationalhymne“ des Philologenstands (also speziell der Gymnasiallehrer) dar.

Würden Sie gerne Ihre Arbeitszeit auf diesem Sektor um ein Drittel, vielleicht sogar die Hälfte reduzieren? Dann lesen Sie bitte weiter:

Nach meinen Erfahrungen sind die meisten Prüfungsaufgaben schlicht zu umfangreich. Oft muss dann die Bearbeitungszeit für die Schüler noch verlängert werden mit der Folge, dass sie zu spät in die nächste Stunde kommen (und Sie eventuell auch).

In der bayerischen Schulordnung für die Gymnasien beispielsweise sind Höchstzeiten vorgeschrieben: So sollen Stegreifaufgaben nicht länger als 20 und Kurzarbeiten nicht mehr als 30 Minuten dauern, Schulaufgaben in den Klassen 5-10 maximal 60 Minuten (außer im Fach Deutsch); siehe GSO §§ 22 und 23.

Ich behaupte sogar: Ein Extemporale kann man locker in höchstens 15 Minuten hinkriegen – und ich sehe überhaupt keinen Grund, wegen einer Schulaufgabe, die länger als eine Dreiviertelstunde dauert, den ganzen Stundenplan durcheinanderzubringen (Deutschaufsätze in höheren Jahrgangsstufen mal ausgenommen).

Und: Ein „Kleiner Leistungsnachweis“ sollte auch deswegen nicht lange brauchen, da man dann noch halbwegs Zeit hat, in dieser Stunde im Stoff voranzukommen – oder die Aufgabe mit der Klasse ausführlich zu verbessern.

Wieso die ellenlangen Prüfungszeiten? Im Wesentlichen wohl aus der Angst heraus, das Stoffgebiet nicht umfangreich genug zu berücksichtigen und sich so „Zufallsergebnisse“ einzuhandeln. Dazu kenne ich eine hübsche Parallele aus dem Tanzbereich: Mir war bei Turnieren früher schleierhaft, wie die Wertungsrichter bei sechs und mehr Paaren in höchstens anderthalb Minuten zu einer Punktebewertung kommen konnten. Nach zirka 50 Jahren Erfahrung im Tanzbereich muss ich bei einem Paar nur einige wenige Bewegungen sehen, um zu wissen, was es kann.

Also: Haben Sie den Mut zur „Stichprobe“! Sie können durch die geringere Korrekturzeit die Arbeiten auch schneller zurückgeben und so für ein wirksameres Feedback sorgen.

Schreiben Sie in aller Ruhe die Musterlösung und verdreifachen Ihre benötigte Zeit – das ist dann die Bearbeitungsdauer für Ihre Schüler! In der Praxis unterschätzt man nämlich diese Frist und muss sie anschließend verlängern, weil die meisten Schüler noch schreiben – und so rutscht man doch wieder in einen ellenlangen Zeitaufwand. Zudem wird bei solchem Druck die äußere Qualität der Arbeiten leiden – und das bezahlen Sie hinterher mit erhöhtem Aufwand, das Geschmier zu entziffern!

Übrigens: Wenn gut die Hälfte der Schüler fertig ist (also der Durchschnitt), reicht das – sammeln Sie ein!

Geben Sie sich lieber mit der Prüfungsangabe große Mühe – jede Minute, welche Sie hierin investieren, bekommen Sie bei der Korrektur mehrfach zurück! Einige Tipps dazu:

Formulieren Sie klar, was Sie bei einer Frage vom Prüfling erwarten! Es ist ein Riesenunterschied, ob Sie beispielsweise schreiben:

„NENNE“, „ZÄHLE AUF“: stichwortartige, meist reproduktive Angaben (ähnlich: Ausfüllen eines Lückentextes, möglichst mit der Vorgabe: „JE EIN ZUTREFFENDES WORT“)
„GIB WIEDER“, „WAS VERSTEHT MAN UNTER“: reproduktive Formulierung (z.B. einer Definition) in ausführlicherer Form (meist Sätze)
„BESCHREIBE“: Wiedergabe zusammenhängender Fakten (z.B. in einer Grafik) ohne Erklärungen
„ERKLÄRE“, „ERLÄUTERE“, „ZEIGE AUF“: zielt darüber hinaus auf die
Darlegung von Zusammenhängen
„BEGRÜNDE“: fordert den Rückbezug auf Ursachen bzw. allgemeines
Basiswissen
„BEURTEILE“: erwartet eine Wertung aufgrund gelernter Fakten und
mit angemessener Selbstständigkeit

Natürlich müssen Fragestellungen dabei sein, welche eine frei formulierte, zusammenhängende Antwort fordern, schon deshalb, weil man stets auch sprachliche Kompetenzen prüfen sollte – nicht nur im Deutschen. In der Praxis erfordert diese Prüfungsweise jedoch den meisten Korrekturaufwand und macht die Bewertungen schwieriger.

Daher sollten Sie – je nach Fach – auch einfacher zu beurteilende Aufgabenformen einsetzen, beispielsweise einen Multiple Choice, Lückentext oder die Anfertigung bzw. Ergänzung einer Grafik oder Skizze. Daher ist die „Angabenform“ meist geeigneter als das Beschriften leerer Blätter.

Fragen zum Grundwissen und vor allem Anwendungsbeispiele (Transfer) sind ein Muss – ein Drittel (in den unteren Klassen) bzw. zwei Drittel (in der Oberstufe) verhindern lediglich saisonale Bemühungen und vor allem das reine Auswendiglernen von einer Stunde auf die nächste.

Natürlich sollte man beim Korrigieren größte Sorgfalt walten lassen. Bedenken Sie: Wenn Sie im Unterricht mal irgendeinen Käse verzapfen, ist die Chance groß, dass es keiner merkt. Prüfungsarbeiten dagegen werden ja nach Hause mitgegeben – und irgendwelche Fehlleistungen Ihrerseits dann genüsslich weitergetratscht oder gar zur Anfechtung einer Note eingesetzt. Auch Rechtschreib- und Grammatikfehler müssen – in allen Fächern – angemerkt werden, schon im Sinne einer umfassenden Spracherziehung!

Andererseits besteht jedoch kein Grund, in einen schriftlichen Dialog mit dem Schüler einzutreten! Kürzel und höchstens sehr knappe Anmerkungen reichen in der Regel völlig aus.

Korrigieren Sie den Klassensatz aufgabenweise durch! Sie müssen so zwar mehr blättern, sind aber dann voll in der Fragestellung präsent und können die einzelnen Antworten hinsichtlich der Bewertung gut vergleichen.

Rätseln Sie nicht herum, was irgendein Geschmier wirklich heißen soll! Was nicht klar und eindeutig lesbar ist, wird nicht gewertet – Sie sind kein Graphologe! Und Fachbegriffe müssen richtig geschrieben sein, sonst würde ich sie nicht oder höchstens mit einem Teilpunkt berücksichtigen. „Bewerten Sie in Biologie auch Rechtschreibfehler?“ – diese dämliche Frage wurde mir sehr häufig gestellt. Nein, aber eine korrekte Fachsprache!

Schulrechtlich bewegen Sie sich da auf absolut sicherem Boden. So heißt es in der bayerischen GSO (§ 26.1): „Bei der Bewertung einer schriftlichen Arbeit kann die äußere Form mit berücksichtigt werden. Bei schriftlichen Arbeiten sind Verstöße gegen die Sprachrichtigkeit sowie Ausdrucksmängel zu kennzeichnen und können angemessen bewertet werden.“

Sollten hier dennoch Beschwerden kommen (und das ist mehr als wahrscheinlich): Freuen Sie sich! Wenn Sie nämlich stur bleiben, wird sich das herumsprechen – und selbst die größten Schlamper werden sich um eine bessere äußere Form bemühen und Ihnen so Arbeitszeit ersparen.

Bei der Benotung sollten Sie sich die bundesweit geltenden Legaldefinitionen ins Gedächtnis rufen:

1 (SEHR GUT): Leistung entspricht den Anforderungen in besonderem Maße
2 (GUT): Leistung entspricht voll den Anforderungen
3 (BEFRIEDIGEND): Leistung entspricht im Allgemeinen den Anforderungen
4 (AUSREICHEND): Leistung weist zwar Mängel auf, entspricht aber im Ganzen noch den Anforderungen
5 (MANGELHAFT): Leistung entspricht nicht den Anforderungen, lässt jedoch erkennen, dass trotz deutlicher Verständnislücken die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind
6 (UNGENÜGEND): Leistung entspricht nicht den Anforderungen und lässt selbst die notwendigen Grundkenntnisse nicht erkennen

Merke: Selbst bei einer Fünf müssen noch Grundkenntnisse vorhanden sein – und bei einer Zwei entspricht die Leistung „voll den Anforderungen“! Aus meiner langjährigen Berufserfahrung weiß ich: Viele Einser sind in Wahrheit Zweier – und noch mehr Vierer eigentlich Fünfer! Und nicht Sie „geben Noten“ – die verschafft sich der Schüler selber durch seine Leistung!

Heute gehört es ja zum guten Ton, dass bei schlechten Ergebnissen gerne mit dem Anwalt gedroht wird. Wie sind die Erfolgsaussichten einer solchen Notenstreits?

Was dem Laien selten klar ist: Das dann anzurufende Verwaltungsgericht ändert keine Noten! Es stellt höchstens fest, dass eine Prüfung nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprach und daher wiederholt werden muss bzw. bei der Zeugnisnote nicht berücksichtigt wird.

Grob gesagt droht eine solche Entscheidung in zwei Fällen:
·         formale Mängel
·         sachfremde Erwägungen

In allen Schulordnungen gibt es formale Bestimmungen zu Zahl und Art von Leistungsnachweisen, Fristen zu deren Ankündigung sowie Herausgabe und Gewichtung. Auch der korrekte Lehrplanbezug ist entscheidend. Wenn Sie da einen Fehler machen, haben Sie eventuell für den Papierkorb gearbeitet – beim Zeitmanagement der worst case! Besprechen Sie solche Fragen gleich am Anfang des Schuljahres mit Ihren Klassen – dann vermeiden Sie auch die Argumentation, man „habe dies alles nicht gewusst“!

Unter „sachfremden Erwägungen“ versteht der Jurist das Ansehen der Person anstatt der Leistung. Sollten Sie also einen Schüler „auf dem Kieker“ haben (und so blöd sein, sich das anmerken zu lassen), könnte es eng werden. Freilich muss die Klägerseite dann schon mehr als vage Eindrücke ins Feld führen!

Weniger bekannt ist jedoch, dass hierzu ebenso positive Gründe für die Heraufsetzung einer Note zählen. Ob der Arme „immer so nervös“ ist, „Prüfungsangst“ (eine Normalität) oder „schwierige Familienverhältnisse“ hat, darf bei der objektiven Leistungsbeurteilung keine Rolle spielen! Das alles kann man am Schuljahresende erörtern, wenn es beispielsweise um ein „Vorrücken auf Probe“ geht.

Aus meiner Berufspraxis weiß ich: Das Hinaufmanipulieren von Prüfungsergebnissen (gerade auch wegen „zu schlechter“ Durchschnitte) ist ein weit größeres Problem als die berühmten „ungerechten schlechten Noten“.

Lassen Sie sich also auf ein solches Bullshit-Bingo nicht ein! Korrigieren und benoten Sie möglichst objektiv und konsequent, das reicht! Den Rest überlassen Sie gerne den Rechtsanwälten – die sind es gewohnt, auch puren Quatsch zu vertreten, da sie ein Leistungs- und kein Erfolgshonorar erhalten. Lernen Sie an diesem Vorbild!

Pädagogen sind Meister des masochistischen Selbstbezugs: „Ich schreibe morgen Schulaufgabe“ oder „ich habe einen sehr schlechten Durchschnitt“ sind Formulierungen, die Sie sich abgewöhnen sollten. Im Mediziner-Erfolgsroman „House of God“ heißt es mit vollem Recht: „Der Patient ist derjenige, welcher krank ist.“ Und auch im Gesundheitssektor wird für Behandlung bezahlt, nicht für Heilung!

Von den Ärzten lernen heißt siegen lernen!

Und Sie wissen ja: Sitzen ist nicht gut für Ihren BMI...

P.S. Weitergehende Ausführungen zum Thema „Die Not mit den Noten“ finden Sie in meinem Buch „Der bitterböse Lehrer-Retter“ (S. 244-299).

Mittwoch, 2. Mai 2018

Seien Sie nicht zu sprechen!


„NEBEN DER EDLEN KUNST, ETWAS ZU ERLEDIGEN, GIBT ES DIE NICHT MINDER EDLE, DINGE UNGETAN ZU LASSEN. DAS AUSSORTIEREN DES UNWESENTLICHEN IST DER KERN ALLER LEBENSWEISHEIT.“
(Laotse)

„DIE SPRECHSTUND HALT ICH NIEMALS EIN;
EIN DIPLOMAT MUSS SCHWEIGSAM SEIN.“
(Victor León, Leo Stein: Arie des Danilo, „Die lustige Witwe“)

Bekanntlich sind Lehrer zeitlich überlastet: Unterricht und dessen Vorbereitung, Korrekturen, Sitzungen, Elternkontakte, Projektgruppen und vieles mehr führen zu Wochenarbeitszeiten, welche mit den im öffentlichen Dienst  üblichen nur theoretisch übereinstimmen. Nach statistischen Untersuchungen ergeben sich, auch unter Einrechnung der Ferienzeiten, 48 Stunden und mehr.

Nach meinen Erfahrungen liegt dies aber zu einem nicht unwesentlichen Teil auch daran: Lehrer haben, ähnlich wie Ärzte, ein lausiges Zeitmanagement. Während Mediziner hierfür allerdings Personal und das Geld zur Einrichtung von Wartezimmern haben und dort die Patienten – auch in der Notaufnahme – gerne mal etliche Stunden schmoren lassen, stehen meinen Kollegen solche Einrichtungen nicht zur Verfügung.

Noch eine Parallele gibt es zwischen der Kundschaft von Ärzten und Lehrern: Ein beträchtlicher Teil der Anliegen, mit denen man sie behelligt, rangieren zwischen Lappalie und purem Quatsch.

Der Vorteil für den Lehrer ist eigentlich tröstlich: An pädagogischen Schwierigkeiten stirbt meist keiner. Umso unverständlicher, dass von unserem Berufsstand stets ein sofortiges Agieren verlangt wird, während sich die Kundschaft von Ärzten zunächst mal brav auf die Plastikstühlchen neben der Stechpalme setzt.

Wie viele unserer Nöte haben wir auch diese weitgehend selber erzeugt: Für uns gehört es zum ersten Gebot im Lehramt, „stets gesprächsbereit“, „immer ansprechbar“ zu sein. Daher haben wir die Berufskrankheit der Logorrhoe entwickelt: die Sprechsucht. Pädagogen „besprechen“ Probleme wie Warzen – anstatt sie zu lösen. Aber auch unsere Aufgeschlossenheit fürs Belabertwerden hat 24 Stunden geöffnet. Nur: Wer für alles offen ist, ist halt auch nicht ganz dicht…

Ich gestehe gerne, in der ersten Hälfte meiner Berufszeit auch auf die Annahme hereingefallen zu sein, ein Kollege müsse wahrlich ein ernstes Problem haben, wenn er sich im Lehrerzimmer mit der bekannten Frage „Haben Sie mal kurz Zeit?“ auf mich stürzte. Noch schlimmer: Ich war sogar der Ansicht, ich könnte mit einer fachlich durchdachten Antwort irgendwas verändern. Das Einzige jedoch, was man damit beeinflussen kann, ist die Dauer der eigenen Arbeitszeit. In 95 Prozent der Fälle möchte Ihr Gesprächspartner sich nur mal seine Sorgen von der Seele reden und ist eigentlich ganz beruhigt, wenn Sie auch keine Lösung haben oder er hat an Sie ein Anliegen, das er auch selber erledigen könnte. Und damit soll man seine restliche Lebenszeit verkürzen?

Ebenso fraglich ist es, ob Eltern, die „ganz dringend“ einen Gesprächstermin mit Ihnen wünschen und Sie per Telefon, SMS oder Mail belästigen respektive gleich persönlich vor der Lehrerzimmertür lauern, wirklich ein Problem haben, das in den nächsten sieben Tagen gelöst werden muss. Und im Gegensatz zum Grafen Danilo aus der Lehár-Operette halten Sie ja wohl Ihre Sprechstunde ein – und für berufstätige Erzeuger doch auch gern mal Freitagabend um 18.00 Uhr, gell? (Sie werden solche Termine selten wahrnehmen müssen, da haben nämlich sogar Eltern was Besseres vor…)

Neben Lehrerzimmern sollten Sie zu Stoßzeiten auch Sekretariate tunlichst meiden! Dort sucht man im Zweifelsfall nicht mal Sie persönlich, sondern irgendeinen Deppen, welcher bei der Schulverwaltung mithilft: „Könnten Sie mal kurz dem Hausmeister helfen? Da ist ein schweres Paket angekommen“  ist keine satirische Erfindung, sondern ein reales Zitat aus meinem Berufsleben. Und öfters erlebte ich es, dass Sekretärinnen im Lehrerzimmer anriefen, um Mithilfe bei der Fahndung nach einem Kollegen zu fordern, anstatt ihrem katastrophalen BMI persönlich die 20 Meter zum Pädagogenrevier zu schleppen.

Ein absolutes No Go ist natürlich das Chefzimmer. Nach meinen Erfahrungen hat die überfallartige Erzwingung von Gesprächen durch den dort wohnhaften Butterbrezenverzehrer extrem zugenommen. Ein Vater hat angerufen und sich über eine Note beschwert! Das erfordert selbstredend ein sofortiges Verhör des betroffenen Kollegen, dem man zumutet, extempore die genauen Fragestellungen und Punktevergaben parat zu haben. Da ist schließlich Gefahr im Verzug – nicht, dass man den angesäuerten Erzeuger noch persönlich an die Backe bekommt! Bekanntlich ist der Schulleiter ausschließlich für Wohltaten zuständig und die Lehrkraft für Probleme. „Kommen Sie mal kurz rein!“ ist keine höfliche Gesprächsanbahnung, sondern eine glasklare Unverschämtheit. Weisen Sie diese zurück – auch, wenn sich dann die Haare sträuben sollten – sind ja nicht Ihre…

Mein Tipp gegen diese Zeit- und Nervenfresser ist sehr simpel:
Seien Sie weder rund um die Uhr erreichbar noch gar sofort gesprächsbereit!

Hierzu ist es unvermeidlich, ein Fremdwort in Ihr Berufsleben zu integrieren: Nein.

Ausschneiden und bei Bedarf vorzeigen:

Illustration: www.tangofish. de

Ich weiß, das kostet am Anfang Überwindung und wird Ihnen bitterböse Reaktionen einbringen. Aber bleiben Sie dabei! Man kann ja einen Termin mit Ihnen vereinbaren, oder? Dann wird sich übrigens ziemlich schnell herausstellen, dass Ihr Gegenüber auch nicht immer Zeit hat! Oder bestehen Sie auf schriftliche Darlegung: „Ach, Herr Kollege, könnten Sie mir das kurz aufschreiben und den Zettel in mein Fach legen, damit ich es nicht vergesse. Ich melde mich dann demnächst bei Ihnen.“

Meine Voraussage: In mindestens zwei Dritteln aller Fälle haben Sie das „Problem“ vom Hals, da der Kollege nur seinem momentanen Ärger Luft machen wollte und schon nach einer Nacht keinen dringenden Gesprächsbedarf mehr sieht. Oder er hat inzwischen einen anderen Trottel gefunden, der ihm zuhört… Und innerhalb nicht allzu langer Zeit wird man es akzeptieren, dass Sie halt in Punkto „Blitzgepräche“ ein wenig kompliziert sind – und es sogar umso mehr schätzen, wenn Sie sich im Einzelfall wirklich um ein ernsteres Problem kümmern.

Für Hartgesottene empfehle ich das Argument: „Rennen Sie doch mal in Ihre Hausarztpraxis und fordern ein sofortiges Erscheinen des Mediziners. Das wird Ihnen nur gelingen, wenn sie Reanimationsbedarf simulieren!“ Oder wie wäre es mit dem Finanzamt? Da wartet man klaglos drei Monate auf den Steuerbescheid…

Übrigens bestehen auch Schüler, beispielsweise beim Feilschen um Noten, gerne auf eine sofortige Unterredung – vor allem, wenn sie so verspätet zur nächsten Stunde kommen können. Auch hierbei hat sich eine Aufforderung sehr bewährt: „Ach, schreib mir doch mal im Einzelnen auf, wieso du auf eine andere Punktewertung kommst! Ich schau mir das dann ihn Ruhe an und wir vereinbaren einen Gesprächstermin.“ In höchstens 20 Prozent aller Fälle kriegen Sie – da zu viel „Stress“ – ein solches Elaborat. Zeitersparnis: mindestens 80 Prozent!

Offenbar hat der Zwang zur sofortigen Erreichbarkeit seit meinem Ausscheiden aus dem Schuldienst 2011 inzwischen Formen angenommen, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Auch zu Hause wird man von Eltern, Kollegen oder dem Chef via SMS, Mail oder gar WhatsApp mit Desiderata verfolgt.

Hier gibt es nur eine glasklare Gegenstrategie: Meine private Telefon- und Handynummer oder Mailadresse geht beruflich niemanden etwas an. Eine Schule, welche diese an Unbefugte weitergibt, verstößt eklatant gegen den Datenschutz! Wenn man mir eine E-Mail-Erreichbarkeit am Arbeitsplatz oder ein Diensthandy zu Verfügung stellt, bitte sehr! Keiner zwingt mich allerdings dazu, dies nach Dienstschluss oder gar am Wochenende zu verwenden. Oder möchte Ihr Chef, dass Sie ihn am Sonntagvormittag mit irgendeinem Schwachsinn belästigen?

Für dringende Probleme, welche absolut keinen Aufschub dulden, gibt es nur zwei sinnvolle Telefonnummern: 110 (Polizei) oder 112 (Rettungsdienst).

Um Ihr pädagogisches Gewissen zu entlasten: Zeitdruck ist die häufigste Fehlerquelle! Mehr als einmal ist es mir passiert, dass ich in der Hektik einen unbedachten Spruch tat oder eine falsche Angabe machte – später wurde dies von meinen Gegnern in aller Ruhe (!) zerpflückt und mir aufs Butterbrot gestrichen. Weisen Sie Ihre Gesprächspartner darauf hin: „Ich möchte das vorher noch in Ruhe überprüfen, damit ich Ihnen nichts Falsches erzähle.“

Werbung: Wenn Sie das Thema näher interessiert, genügt eine Investition von einer Viertelstunde – lesen Sie das Kapitel „Haben Sie mal kurz Zeit?“ in meinem Buch „Der bitterböse Lehrer-Retter“ (S. 89-114). Ach, Sie haben das Werk noch nicht? Das lässt sich ändern:

Dort rate ich zur Gliederung Ihrer anstehenden Aufgaben nach folgendem Schema:

Versehen Sie fünf freie Seiten Ihrer Planungs-Unterlagen mit den Überschriften:

SEHR DRINGEND / SOFORT
DRINGEND
BEI GELEGENHEIT
WÜNSCHENSWERT
NUR, FALLS NOCH ZEIT BLEIBT

Und genau in dieser Reihenfolge gehen Sie vor. Und – ein besonderer Genuss – haken Sie alles Erledigte ab!

Was ich damals vergessen habe zu schreiben:
Streichen Sie anschließend die letzten beiden Rubriken!

Vielleicht widme ich demnächst einen Artikel dem anderen riesigen Zeitfresser: den Korrekturen.

Zur Einstimmung lassen wir vorerst dem Bonvivant aus der „Lustigen Witwe“ das Wort:

„Die Akten häufen sich bei mir,
Ich finde 's gibt zu viel Papier;
Ich tauch die Feder selten ein
Und komm doch in die Tint' hinein!“

Mit den besten Wünschen für eine vergnügliche Freizeit:



P.S. Einen weiteren Artikel zum Thema finden Sie hier:
http://gerhards-lehrer-retter.blogspot.de/2015/07/die-schule-eine-zeitvernichtungsmaschine.html