Dienstag, 5. Juli 2022

Quiz: häufige Rechtschreibfehler

Nicht nur an den Grundschulen, sondern auch in den sozialen Medien gehen die Rechtschreibkenntnisse immer mehr zurück. Daher hier ein Test, mit dem Sie herausfinden können, ob Sie Ihre Muttersprache (oder vielleicht sogar Deutsch als Fremdsprache) wesentlich besser beherrschen als der Durchschnitt.

Die Beispiele beziehen sich auf Wörter, welche sehr häufig falsch geschrieben werden.

Um nach dem Benotungsschlüssel für die gymnasiale Oberstufe eine gute oder sogar sehr gute Leistung zu erbringen, sollten Sie schon 25 bzw. 30 der 35 Fragen richtig beantworten!

Die Lösungen finden Sie, wie immer, am Ende des Textes. Viel Spaß!

1.     Wie macht man das… am besten / am Besten

2.     … an Hand / anhand eines Beispiels

3.     Wir sollten das Ganze lieber… anullieren / annullieren / annulieren

4.     Man löst ein Problem… aufs Geratewohl / aufs Geradewohl

5.     Das probieren wir einfach… aus dem Stegreif / aus dem Stehgreif

6.     Dieser Gedankengang ist… brillant / brilliant

7.     Das Spiel mit den Kugeln nennt sich… Billiard / Billard

8.     Trinken wir erstmal einen… Cappuccino / Cappucino / Capuccino

9.     … und des weiteren / desweiteren / des Weiteren noch Folgendes…

10. Den erfreulichen Anblick nennt man… Dekolleté / Dekolltee / Dekoltee / Dekolletee

11. Der DJ spielt jedes Mal… die selben / dieselben Tangos

12. Auf einer Milonga kennt man… den einen oder anderen / den Einen oder Anderen

13. Tango fördert die… Fittness / Fitness

14. Tango üben ist eine harte… Frohn / Fron

15. Die Tangobilder hat man zu einer… Galerie / Gallerie zusammengestellt

16. Piazzolla ist eine… Gallionsfigur / Galionsfigur des modernen Tango

17. Pferde… galoppieren / galloppieren / gallopieren

18. Tango gehört zu den schönsten… Hobbies / Hobbys

19. Die Kursgebühren bezahle man bitte… im Voraus / im voraus / im Vorraus

20. Das Ding, welches sich dreht, nennt man… Karrussell / Karussell / Karrusell

21. Ein Gremium bezeichnet man oft auch als… Komitee / Kommitee / Kommittee

22. Ein Studienkollege oder… Kommilitone / Komilitone / Kommillitone

23. Das Plakat kommt an die… Litfaßsäule / Littfaßsäule / Litfasssäule

24. Meine Tangoschuhe sind… niegelnagelneu / nigelnagelneu

25. Unser Geld transportieren wir im… Portemonnaie / Portmonnee / Portmonee / Portemonee

26. Das Gegenteil von glatt nennt sich… rauh / rau

27. Dieses Problem lösen wir durch gründliche Reflexion / Reflektion

28. Gutes Tanzen fördert das… Renommé / Renommee / Rennommee / Rennomee

29. Tango gibt es auch als… Standardtanz / Standarttanz

30. Die Beispiele lassen sich unter einem Begriff… subsumieren / subsummieren

31. Die Datei enthält 15… Terabite / Terrabite / Terabyte / Terrabyte

32. Danke für den guten… Tip / Tipp

33. Tanzen sollte man schon… von klein auf / von Klein auf

34. Wie viel / wieviel kostet dieser Tangokurs?

35. Der Test ist nun… zu Ende / zuende

Lösungen:

1.     am besten

2.     anhand

3.     annullieren

4.     aufs Geratewohl (kommt von „geraten“ – wie es halt gerät))

5.     Stegreif („aus dem Steigbügel“)

6.     brillant (auch wenn es anders gesprochen wird)

7.     ebenso: Billard (französisch: „bille“ – kleine Kugel)

8.     Cappuccino („Kapuziner“ – Mehrzahl: „Cappuccinos“)

9.     des Weiteren

10. Dekolleté oder Dekolletee

11. dieselben

12. den einen oder anderen

13. Fitness

14. Fron (ursprünglich: Dienstleistung des Bauern für den Grundherrn)

15. Galerie

16. Galionsfigur

17. galoppieren

18. Hobbys

19. im Voraus

20. Karussell

21. Komitee

22. Kommilitone

23. Litfaßsäule (1854 erfunden vom Berliner Drucker Ernst Litfaß)

24. nigelnagelneu („frisch zusammengenagelt“)

25. Portemonnaie oder Portmonee

26. rau

27. Reflexion

28. Renommee

29. Standardtanz

30. subsumieren

31. Terabyte

32. Tipp

33. von klein auf

34. wie viel

35. zu Ende

Quellen: https://www.texterclub.de/77-typische-rechtschreibfehler/

https://lektorat-korrekturlesen.de/fehlerwoerter/

P.S. Wem es noch nicht reicht – hier ein weiterer Test:

https://milongafuehrer.blogspot.com/2020/08/der-groe-rechtschreib-test.html

Und hier noch einige Tipps vom Rechtschreibprofi Bastian Sick:

https://www.youtube.com/watch?v=QmWPpvW_27A

Samstag, 2. Oktober 2021

Vor-Bildung

 

In der Bildung wird echt alle paar Jahre das Rad neu erfunden – und man muss froh sein, wenn es nicht viereckig wird!

Mit großem Vergnügen las ich daher gestern einen aktuellen Artikel im SPIEGEL, der wie folgt überschrieben war:

„Schüler orientieren sich stärker an Lehrern als angenommen“

Untertitel: „Lehrkräfte sollten auch in Fächern wie Biologie und Geschichte darauf achten, dass sich Schüler gut ausdrücken. Denn sie orientieren sich beim Erwerb der Sprache viel mehr an den Pädagogen als bislang angenommen.“

Herausgefunden hat diese sensationelle Tatsache Helmuth Feilke, Ordinarius für Germanistische Linguistik und Sprachdidaktik an der Universität Gießen – und weil man auf sowas unmöglich allein kommt, haben noch Prof. Dr. Ursula Bredel (Uni Hildesheim) und ein Team weiterer Sprachwissenschaftler teilgenommen. Die Ergebnisse von zehn Studien veröffentlichte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung gemeinsam mit der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften. Mächtig viel akademisches Holz also vor der Hütte…

Bei der Untersuchung der Sprachkompetenz stellte sich überraschenderweise heraus, dass Fünftklässler an Gymnasien wesentlich mehr Attribute (35 pro 100 Substantive) verwenden als Neuntklässler an Integrierten Gesamtschulen (25 pro 100 Substantive) – wobei der SPIEGEL seinen Lesern vorsichtshalber noch erklärt, was ein Attribut ist. All das wundert uns in Bayern nicht.

Lehrkräfte müssten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein, so Feilke: „Eigentlich dachte man immer, die Schüler würden sich sprachlich bewusst von Erwachsenen abgrenzen wollen. Doch der Sprachgebrauch der Lehrkräfte hat einen großen Einfluss auf den Sprachgebrauch der Schüler.“ 

Darauf muss man erstmal kommen – dass es so etwas wie eine „Muttersprache“ gibt, welche die Kinder und Jugendlichen natürlich von ihren nahen erwachsenen Bezugspersonen lernen. „Vatersprache“ hingegen ist nicht mehr zeitgemäß, da die Männer sich inzwischen weitgehend aus der Erziehung verabschiedet haben…   

So erklärt uns Projektleiterin Ursula Bredel, der Spracherwerb gelinge besonders gut, wenn die Voraussetzungen in der Familie gegeben seien, wenn die Schule herausfordernde Aufgaben stelle und die Lehrkräfte als gute Sprachmodelle dienten. Der Aufholbedarf sei da leider noch groß.

https://www.uni-giessen.de/fbz/fb05/germanistik/absprache/sprachdidaktik

https://www.spiegel.de/panorama/bildung/sprachkompetenz-schueler-orientieren-sich-staerker-an-lehrern-als-bislang-angenommen-a-ef888282-8e74-4682-9ee6-26a3cbaa4fac

Diese Erfahrung durfte ich unter anderem machen, wenn ich die Prüfungsarbeiten von Kollegen durchsehen musste: In Fächern wie Chemie oder Biologie wurden sprachliche Mängel wenig markiert und schon gar nicht bewertet. Da ich es anders handhabte, hatte ich regelmäßig Elternbeschwerden am Hals – in der Tonlage: „Bewerten Sie auch Rechtschreibfehler??“

Nein – aber durchaus die Fähigkeit, einen fachlichen Zusammenhang sprachlich zutreffend zu formulieren! Oder einen Fachbegriff korrekt zu schreiben. Das war während meiner Dienstzeit bei den Kolleginnen und Kollegen nie Allgemeingut, sondern eher ein Außenseiter-Standpunkt.

Ich habe mich in meiner Haltung allerdings nie beirren lassen und sehe nun mit Freude, dass man im Elfenbeinturm neue Erkenntnisse gewinnt. In meinem Buch „Der bitterböse Lehrer-Retter“ habe ich meine Ansichten schon 2012 niedergeschrieben:

Bei einem anderen Aspekt sollten Sie sich allerdings einige Mühe geben: In meiner Referendarzeit lernte ich einen Satz, der damals wohl in der Schulordnung stand (UND DEN ICH SCHON LANGE NICHT MEHR GEHÖRT HABE): 

„IM MITTELPUNKT DES UNTERRICHTS STEHT DIE PFLEGE DER DEUTSCHEN SPRACHE.“

Meinem festen Eindruck nach hat die Fähigkeit der Kinder und Jugendlichen, sich korrekt und vor allem differenziert auszudrücken, dramatisch nachgelassen! Dafür gibt es sicherlich zahlreiche Gründe – ganz bestimmt aber auch den, dass die Schule hier viel zu wenig gegensteuert. Es ist eine dienstliche Alltagserfahrung, dass Kollegen Verstöße gegen Rechtschreibung, Interpunktion und Grammatik reihenweise unkorrigiert durchgehen lassen und Formulierungen positiv bewerten, welche von geradezu jämmerlicher Unbeholfenheit zeugen – getreu dem Motto:

„ICH BEWERTE HIER BIOLOGIE UND NICHT DEUTSCH!“

Dies ist natürlich grober Unfug, da ein fachlicher Inhalt kaum ohne sprachliche Fähigkeiten adäquat dargestellt werden kann.

Daher bildet eine Bionote indirekt auch eine Leistungsbewertung im Deutschen – und so muss es auch sein! Ob Sie nun die Muttersprache, Sport oder Handarbeiten unterrichten: Am Ringen um eine gute Ausdrucksfähigkeit müssen Sie sich beteiligen, vor allem durch das eigene Beispiel (Unterrichtssprache, Tafelanschriften, Hefteinträge bzw. Arbeitsblätter), aber auch durch Verbesserung von Schüleräußerungen, ob nun mündlich oder schriftlich. Wenn ich mir die via Schüler- oder Abiturzeitungen kolportierten kollegialen Sprüche anschaue, werde ich den Verdacht nicht los, man wolle sich durch Nachahmen der Jugendsprache seinen Schützlingen emotional nähern.

BERÜCKSICHTIGT EINE LEHRKRAFT IN IHRER BEWERTUNG AUCH SPRACHLICHE MÄNGEL, SIEHT SIE SICH GELEGENTLICH MIT WÜTENDEN ELTERNBESCHWERDEN KONFRONTIERT. MAN DÜRFE DOCH IN BIOLOGIE KEINE „RECHTSCHREIBFEHLER“ BENOTEN UND MÜSSE DAHER BEGRIFFE BEPUNKTEN WIE „GREISSAAL“ (WOHL FÜR ÄLTERE MÜTTER), „RÜCKENRAD“ (LIES: „RÜCKGRAT“) ODER „GEISEL“ (FÜR DEN RUDERANTRIEB VON EINZELLERN).

JEDOCH BESCHRÄNKEN SICH DERLEI KREATIVITÄTEN NICHT AUF SCHÜLER. EINMAL WANKTE EIN DEUTSCH-BETREUUNGSLEHRER, BEREITS VON ZWERCHFELLKRÄMPFEN GESCHÜTTELT, IN DIE TEEKÜCHE UND ZEIGTE UNS EINEN PRÜFUNGSENTWURF SEINER REFERENDARIN. IHRE KLASSE SOLLTE WOHL IN EINEM TEXT DIE VERSCHIEDENE FÄLLE HERAUSFINDEN, WAS SICH DANN SO LAS: „BESTIMME IM FOLGENDEN ABSCHNITT DIE KASI!“ (EIN GAG FÜR FEINSCHMECKER…)

(S. 282-284)

Wie gesagt: Ich bin sehr froh darüber, dass man auch in Kreisen, wo man Schülerinnen und Schüler nur aus Studien und durch Einwegspiegel kennt, zu einer Erkenntnis kommt, die zum biologischen Grundwissen gehört: Primaten lernen durch Nachahmung adulter Artgenossen.

Daher sehe ich den momentanen Hype um die Digitalisierung des Schulwesens sehr gelassen: Mag ja alles nötig oder zumindest nicht schädlich sein – wobei eine Renovierung von Schulklos oder Lärmschutzmaßnahmen dringlicher sein könnten.

Ich sage nur: Bildung, die sich vor allem auf Bildschirme gründet, bleibt flach. Im Zentrum guten Unterrichts steht nicht das Bild, sondern das Vorbild, also eine Lehrkraft mit der entscheidenden Eigenschaft, die in der Ausbildung kaum eine Rolle spielt: Rhetorik. Unterrichts- und Erziehungserfolg steht und fällt mit der Frage, ob Kinder und Jugendliche an den Lippen der Lehrerin oder des Lehrers hängen – ob sie oder er die Fähigkeit besitzt, sprachlich überzeugend zu agieren: motivierendes Intro, klare Gliederung mit Schwerpunkten, übersichtliche Zusammenfassungen, passendes Sprachniveau, Modulation, Pausen und vieles mehr.

Und ja: Das alles wirkt am besten im heute so geschmähten „Frontalunterricht“. Stattdessen werden die Dienstanfänger durch einen Wust von Methoden geschickt, die sie zu „Lernorganisatoren“ degradieren, welche bei der Plakatgestaltung zuvörderst dafür zu sorgen haben, dass Klebstoff und Tesafilm nicht ausgehen.

So ist es der zufälligen Begabung überlassen, ob eine Lehrperson über persönliche Ausstrahlung und rhetorisches Geschick verfügt. Ich habe in meinem Leben solche Leute kennenlernen dürfen, die aber meist in ganz anderen Berufen tätig waren, oft nicht einmal ein Studium vorzuweisen hatten. Mein Standardsatz lautete stets: „Wenn ich eine Privatschule hätte, würde ich die Person sofort engagieren – die Fächer dürfte sie sich raussuchen.“

In meinem Buch berichtete ich von einem Lehrer, den ein Kollege noch erlebt hatte: Der brachte es fertig, in seinem Geschichtsunterricht mittels Papierkorb als Helm und dem Zeigestab als Speer derartig begeisternd antike Schlachten zu schildern, dass er einmal am Ende der Stunde von seiner Klasse mit Applaus überschüttet wurde. Mit der Hand schon an der Türklinke wandte er sich nochmal an seine Zöglinge: „Ach Kinder, ich mach das doch nicht für euch!“

Wen ich nun neugierig gemacht haben sollte: Mein Buch kann man immer noch bei mir bestellen. Die Damen und Herren Professoren werden es sicher nicht tun – mir fehlt ja der wissenschaftliche Überblick. Aber vielleicht hat ja der eine oder die andere von Ihnen Interesse:

http://www.robinson-riedl.de/lehrer-retter.htm

Freitag, 17. September 2021

„Kauft nicht bei der STIKO!“

 

Allmählich braucht man die Spinner nicht mehr allein in den Großstädten zu beobachten. Ganz in unserer Nähe geht es auch schon los:

Am vergangenen Mittwoch kam es bei einer Impfaktion an der Realschule Kösching zu einer Eskalation. Eine Gruppe von 10-15 Querdenkern (branchenüblich auch als „besorgte Eltern“ bezeichnet) hatte sich vor der Schule aufgebaut und beschimpfte das Team der Malteser lautstark als „Kindermörder“. Anschließend versuchte man, durch ein Fenster die Impfung zu filmen. Durch eine offene Terrassentür drangen die Herrschaften dann ins Schulgebäude ein, bei dem anschließenden Gerangel wurde einer medizinischen Mitarbeiterin an einer Tür die Hand eingequetscht.

Erst als die Polizei mit mehreren Streifenwagen anrückte, bekam man die Situation wieder unter Kontrolle. Die Ermittlungen laufen noch.

Hier der Bericht in der heutigen Lokalzeitung:

https://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/Impfteam-als-Kindermoerder-beschimpft;art599,4812527

Der zuständige Eichstätter Landrat sieht hier „eine Grenze überschritten“. Wie man so etwas verhindern könne? Das sei ein bundesweites Phänomen, es gebe dafür keine einfache Strategie. Es helfe möglicherweise nur zu versuchen, jeden Einzelnen zu überzeugen, „geduldig, mehrfach, bis er seine Meinung ändert".

Ich nehme an, die verehrten Randalierer waren der Meinung, die Jugendlichen würden zu einer Impfung gedrängt. Wer entscheidet eigentlich über einen solchen medizinischen Eingriff – Kinder oder Eltern?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Das Schlüsselwort lautet „Einwilligungsfähigkeit“: „Eine wirksame Einwilligung setzt [daher] voraus, dass der Patient Wesen, Bedeutung und Tragweite des ärztlichen Eingriffs, insbesondere den Grad der Gefährlichkeit, in seinen Grundzügen erkannt hat." (BGH, Urteil vom 05.12.1958, Az. VI ZR 266/57)

Der impfende Arzt muss sich also davon überzeugen, dass ein Minderjähriger einigermaßen weiß, was er da tut. Als Faustregel gilt dabei: Ab 16 Jahren kann man in der Regel davon ausgehen, unter 14 Jahren eher nicht. Einem unter Achtzehnjährigen können es die Eltern kaum verbieten, sich die Spritze geben zu lassen. Im umgekehrten Fall – wenn es Papa und Mama möchten, der Jugendliche aber nicht – gilt normalerweise dessen Wille.

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/corona-impfung-kinder-jugendliche-ohne-eltern-einwilligung-100.html

https://www.br.de/nachrichten/bayern/corona-impfung-ab-12-jahren-muessen-eltern-eigentlich-zustimmen,Sdhai6A

Ausschlaggebend dürfte sein, dass die Corona-Impfung inzwischen von der Ständigen Impfkommission (STIKO) ab 12 Jahren – nach medizinischer Beratung – empfohlen wird:

https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/schutzimpfung/corona-schutzimpfung-bei-kindern-und-jugendlichen.html

Im Einzelfall gibt es aber noch juristisches Neuland, das sicher bald von obergerichtlichen Entscheidungen gefüllt wird. In der Vergangenheit war ein solches Gezerre über Impfungen halt recht selten.

Ich kann mich noch erinnern, dass es bei uns in der 4. Klasse „Volksschule“ eines morgens hieß: „In Zweierreihen in die Turnhalle“. Dort kriegte jeder und jede im Schnelldurchlauf mit dem Messerchen seine Pockenimpfung. Wir hatten wohl ein bisschen Angst, aber den Erwachsenen war das völlig schnuppe. 1976 war dann Schluss, da man die Pocken fast ausgerottet hatte – und daher kann man auch beim Tango das Alter der Partnerin recht genau abschätzen: Hat sie eine Impfnarbe am Oberarm, dürfte sie nicht nach zirka 1966 geboren sein, ist heute also mindestens Mitte Fünfzig.

Ich gehe davon aus, dass man in Kösching die Eltern und ihre Kinder aufgeklärt hat und ihre Zustimmung einholte. Ein schöner Fortschritt gegenüber meiner Schulzeit…

Das Pack, welches versucht hat, die Schule zu stürmen und die Impfaktion zu verhindern, markiert dagegen einen herben Rückschritt. In Deutschlands dunkelster Zeit haben sich schon einmal Leute vor Geschäften aufgebaut, da man angeblich das Deutschtum vor dem jüdischen Finanzkapital retten wollte: „Kauft nicht bei Juden!“ hieß es damals. Man wollte also Menschen davon abhalten, etwas Legales zu tun, nämlich einkaufen. Die Polizei erschien Anfang der 1930-er-Jahre allerdings meist nicht mehr.

Heute schon noch – das sollten wir ausnützen. Und im Gegensatz zum Eichstätter Landrat meine ich, dass bei solch verbohrten Ideologen Überzeugungsarbeit nicht fruchtet. Eine hübsche Anklage wegen Nötigung, Körperverletzung und Hausfriedensbruch könnte überzeugender wirken. Und das Urteil möglichst nicht in geldlichen Tagessätzen, sondern zum Absitzen. Diese Leute missachten ja vorsätzlich und dauerhaft unsere staatliche Rechtsordnung zur Durchsetzung ihrer Kinderretter-Heuchelei oder anderer verquaster Egoismen.

Ein sächsisches Impfzentrum wollte man neulich abfackeln. Leider brannte es nicht so gut wie einst der Reichstag.

https://www.n-tv.de/panorama/Brandanschlag-auf-Impfzentrum-veruebt-article22804938.html

Ich will einfach nicht mehr warten, bis es wieder mal zu spät ist. Auch damals waren wohl viele der Meinung, die strammen Herren von der SA müsse man nur geduldig überzeugen. Und sie täten halt ihre Meinung kund.

Wer sich einen historischen Eindruck verschaffen möchte:


https://www.youtube.com/watch?v=QSATnLBryUo

Moralinsauren Einwänden betreffs „Nazivergleichen“ sehe ich übrigens gelassen entgegen. Es beunruhigt mich nämlich, dass man inzwischen Zivilcourage benötigt, um sich im Rahmen der Gesetze zu bewegen – so wie einst eine jüdische Mutter, deren Sohn hier eine kurze, aber eindrucksvolle Geschichte erzählt:

https://www.youtube.com/watch?v=t9UBgbjv64Q