Freitag, 13. November 2020

RNA-Impfstoffe

 

Gestern fragte mich meine Gemahlin, ob ich die Wirkungsweise dieser neuen Impfmethode nicht einmal „für normale Menschen“ erklären könnte. Sie werde in ihrem privaten Umfeld immer wieder mit Fragen und Bedenken konfrontiert.

Nachfolgend mein Versuch dazu. Man sollte aber wissen, dass ich zwar irgendwann mal Biologie studiert habe, aber alles andere als ein Impfstoff-Fachmann bin! 

RNA-Impfstoffe greifen in den Ablauf der Herstellung körpereigener Eiweißstoffe (Proteine) ein: In unserer Erbsubstanz (DNA = Desoxyribonukleinsäure) sind die Baurezepte (Gene) für unsere Eiweißstoffe enthalten – in Form einer Art von „Morsealphabet“ (Reihenfolge von 4 Basen: Adenin, Thymin, Guanin, Cytosin). 

Soll ein bestimmtes Eiweiß hergestellt werden, fertigt unser Körper eine Abschrift dieses „Rezepts“  in Form von m-RNA (messenger-Ribonukleinsäure). Diese Kopie wird vom Zellkern in die Produktionsstätten der Eiweißstoffe, die Ribosomen transportiert. Dort werden gemäß dieser Vorschrift die Bausteine der Eiweißstoffe, die Aminosäuren (20 verschiedene Arten), zum betreffenden Protein zusammengesetzt.

Ein RNA-Corona-Impfstoff enthält die künstlich hergestellte Bauanleitung (m-RNA) für den Eiweißstoff auf den „Stacheln“ des COVID-19-Virus (Spike-Protein), mit denen dieses sich auf menschlichen Zellen festsetzen kann. Gelangt diese m-RNA durch Impfung in unsere Zellen, so produzieren diese in ihren Ribosomen den betreffenden Eiweißstoff. Da dieser als „körperfremd“ erkannt wird, stellt unser Immunsystem Antikörper dagegen her – die betreffenden Zellen werden angegriffen und vernichtet. Durch die Antikörper und die Speicherung ihrer speziellen Bauart im „Immungedächtnis“ (T-Lymphozyten)  werden wir (für wie lange auch immer) immun gegen COVID-19. Die geimpfte m-RNA selber wird in kurzer Zeit abgebaut.

Der direkte Einbau dieser m-RNA ins menschliche Erbgut ist ausgeschlossen, da dieses anders gebaut ist: DNA enthält einen anderen Zucker (Desoxyribose statt Ribose wie bei der RNA) sowie statt der Base Uracil die Base Thymin.

Theoretisch wäre ein „Zurückkopieren“ einer m-RNA in DNA denkbar, aber beim Menschen höchst schwierig und daher unwahrscheinlich. Das dazu nötige Enzym (Reverse Transkriptase) kommt beim Menschen in dieser voll funktionsfähigen Version nicht vor.  Und wenn, entstünde eine Zelle, welche halt das Gen für die Herstellung des Corona-Hüllproteins hätte. Diese würde jedoch genau deshalb vom Immunsystem angegriffen und vernichtet.

Allerdings sind RNA-Impfstoffe neu und müssen daher besonders sorgfältig erprobt werden. Bislang hat die Impfung einiger zehntausend Testpersonen noch keine Komplikationen gezeigt, die auch nur theoretisch auf den Impfstoff zurückzuführen wären. Derzeit laufen Forschungen, mit dieser Methode auch Krankheiten wie Grippe, Tollwut oder Krebs zu bekämpfen.

https://de.wikipedia.org/wiki/RNA-Impfstoff

 

Geschafft und von meiner Frau für gut befunden! 

Bei der Gelegenheit fiel mir wieder ein: Es ist ein Skandal, dass die Bedeutung der Naturwissenschaften an unseren Schulen schon seit längerer Zeit immer weiter heruntergefahren wird. Und das, obwohl sich auf Gebieten wie Genetik und Biochemie  das Wissen alle paar Jahre verdoppelt!

Ich finde, auch ein Hauptschulabsolvent sollte heute den prinzipiellen Unterschied zwischen DNA und RNA kennen. Er greift so direkt in unser praktisches Leben ein wie die Funktionsweise eines Verbrennungsmotors oder die Prozentrechnung.

Auf diese Weise könnte man vermeiden, dass derzeit von der „Veränderung unseres Erbguts“ durch RNA-Impfstoffe geschwobelt wird. Solche Dinge kann man nur behaupten, wenn man keine Ahnung von den einfachsten biochemischen Grundlagen hat.

Noch eine persönliche Anmerkung: Ich habe mich im Studium wehmütig mit den Biografien großer Forscher wie Robert Koch, Paul Ehrlich oder Emil von Behring beschäftigt. Zu diesen Zeiten war Deutschland die führende Nation bei der medizinischen Forschung. Das hat sich später geändert.

Dass unser Land derzeit wieder an der Weltspitze agiert, macht mich sehr froh.

Und ich ahne, wofür es einen der zukünftigen Medizin-Nobelpreise geben wird…

Hier noch die Illustration dazu von Manuela Bößel. (Kommentar der Zeichnerin: "aber fei mit ohne wissenschaftlichen Anspruch, gell?!")

 


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